Besetzung

SonneIrmgard Bechter
SaturnEwald Voppichler
MarsWalter Feurstein
VenusBrunhilde Bals
MondHermann Bilgeri
Konrad,
ein Komet
Heidi Hofer
Professor Guck,
ein Gelehrter
Michael Bartenstein
Telegraphen-ChansonUrs Schwarz
Vier JournalistenUrs Schwarz
Stefanie Hammerer
Inge Mennel
Markus Oberhauser
Ein FührerGotthard Bilgeri
PhotographChristian Baldauf
Erste Modedame Patrizia Nenning
Zweite ModedameHelene Saltuari
Junger MannChristian Baldauf
MädchenStefanie Hammerer
Erster WienerChristoph Maurer
Zweiter WienerEwald Voppichler
Alte JungferDagmar Steurer
Lora,
ihr Papagei
Christian Baldauf
Erster DiplomatChristoph Maurer
Zweiter DiplomatUrs Schwarz
Vier BeamteGotthard Bilgeri
UniformierterWalter Feurstein
RadiosprecherStefanie Hammerer
Inge Mennel
Markus Oberhauser
Urs Schwarz
Weltuntergangs-
prediger
Urs Schwarz
StraßensängerHeidi Hofer
Gotthard Bilgeri
Melchior Schwärzler
DiebPeter Eberle
Erster ArbeiterWalter Feurstein
Zweiter ArbeiterBrunhilde Bals
SelbstmörderPeter Eberle
WachmannHubert Dorner
Mr. RockfordGeorg Moosbrugger
Mrs. Rockford,
seine Frau
Patrizia Nenning
Mr. Wood, SchriftstellerUrs Schwarz
Winnie Winston,
ein Filmstar
Stefanie Hammerer
JournalistinInge Mennel
Miss Violet,
Rockfords Sekretärin
Dagmar Steurer
Keyboard & AkkordeonMelchior Schwärzler
InszenierungGotthard Bilgeri
BühnenbildRenate Ziegler
KostümeWilma Bilgeri
Agathe Kaufmann-Ruchti

Der Weltuntergang

Die Welt steht auf kein' Fall mehr lang...

Jura Soyfer

Die Inszenierung eines Werkes von Jura Soyfer steht unmittelbar in der Aufführungstradition des Ensemble 89, die schwerpunktmäßig durch die Beschäftigung mit anspruchsvoller, vornehmlich österreichischer Volkstheaterliteratur bestimmt ist. Bei dieser Produktion rückte damit eine besondere Facette der österreichischen Dramatik, nämlich jene des politisch engagierten und gesellschaftskritischen Volkstheaters, in den Mittelpunkt des Interesses.

"Der Weltuntergang" ist eine Mischung aus politischem Kabarett, Revue und Wiener Volkstheater, mit vielen bunten Szenen, gespickt mit Songs und Chansons und - trotz des ernsthaften Hintergrundes - kurzweilig und witzig. Jura Soyfer, der wache und hellsichtige Geist, sah das Inferno von Diktatur und Krieg schon in den frühen Dreißigerjahren sich am Horizont abzeichnen und kämpfte gegen die Ignoranz und die lähmende Apathie der breiten Massen an. 1936 packte er seine bittere Analyse - intelligent verschlüsselt und satirisch zugespitzt - in ein Theaterstück: Im "Weltuntergang" sind die Menschen allen Warnungen - in diesem Falle jenen des Wissenschaftlers Professor Guck - zum Trotz nicht imstande, den gegen sie selbst gerichteten Bedrohungen Einhalt zu gebieten. Eine Mischung aus Gleichgültigkeit, Verdrängung, blindem Egoismus und handfester Dummheit lässt die Menschen die anmarschierende Katastrophe ausblenden und munter weiter ihren Betätigungen und Geschäften nachgehen. Jura Soyfer meinte mit seiner Parabel vom auf die Erde zurasenden Kometen die drohende Vernichtung als Folge des nationalsozialistischen Wahnsinns. Der Brückenschlag in unsere heutige Zeit fällt allerdings nicht schwer: die im Stück beschriebenen Verhaltensmuster sind - allen zivilisatorischen Errungenschaften zum Spott - auch den Menschen des 21. Jahrhunderts in reichem Maße zu eigen...

Die Produktion des "Weltuntergangs" von Jura Soyfer war zweifelsohne die mutigste und anspruchsvollste in der Geschichte des Ensemble 89. Das Inszenierungskonzept folgte dem Gedanken, die einzelnen Szenen des Stückes - ohne nur oberflächliche, zeitgeistige oder plumpe Aktualisierungen vorzunehmen - möglichst subtil, abwechslungsreich und ironisch mit den Lebenswirklichkeiten und dem Erfahrungsrepertoire der Menschen im Hier und Heute zu verknüpfen. In sprachlicher Hinsicht wurde - wie schon beim "Alpenkönig" - eine Mischung aus Dialekt und Hochsprache gezielt dafür eingesetzt, um die unterschiedlichen gesellschaftlichen Milieus des Stückes zu charakterisieren und gleichzeitig den Farbenreichtum der Szenenfolge weiter zu unterfüttern. Letztgenanntem Aspekt dienten auch die eigens für diese Inszenierung komponierte und live dargebotene Bühnenmusik sowie einige andere Effekte, wie z.B. der "Flug" des Kometen Konrad durch den Zuschauerraum, über die Köpfe des verdutzten Publikums hinweg...

Im Anschluss an einige Vorstellungen fanden sogenannte "Publikumsgespräche" statt, bei denen interessierte Theaterbesucher die Gelegenheit hatten, gemeinsam mit Schauspielern und Regisseur das Stück noch einmal zu vertiefen, Revue passieren zu lassen, zu hinterfragen, zeitgeschichtliche Hintergründe zu erfahren und die aktuelle Relevanz von Soyfers Text zu diskutieren.

Der Regisseur des Stückes, Gotthard Bilgeri, wurde im März 2007 zum internationalen Symposium "Jura Soyfer auf Bühnen der Welt", das von der Jura-Soyfer-Gesellschaft in Memmingen abgehalten wurde, eingeladen. Er hatte dabei die Gelegenheit, den "Weltuntergang" des Ensemble 89 Hittisau als österreichischen Beitrag zum Symposium vorzustellen; die Präsentation stieß dabei erfreulicherweise auf lebhaftes Interesse seitens des anwesenden Fachpublikums.