Zu den Autoren
Fitzgerald Kusz
Er
wuchs in Forth bei Nürnberg auf und studierte in Erlangen Germanistik
und Anglistik. Nach einem Jahr als Assistenzlehrer in Nuneaton,
Warwickshire, England, arbeitete er zunächst zehn Jahre lang als Lehrer
in Nürnberg. Er lebt seit 1982 als freischaffender Schriftsteller in
Nürnberg. Sein größter Erfolg gelang ihm mit seinem in fränkischer
Mundart geschriebenen Theaterstück "Schweig, Bub!", das am 6. Oktober
1976 am Staatstheater Nürnberg uraufgeführt wurde und mittlerweile mehr
als 700 Mal gespielt wurde. Das Achtpersonenstück ist eine
humorvoll-satirische Darstellung einer typischen, kleinbürgerlichen
Familienfeier anlässlich einer Konfirmation, bei der die Erwachsenen
essen und trinken, tratschen und streiten und der "Bub" an seinem
Ehrentag kaum zu Wort kommt. Dabei besticht "Schweig, Bub!" durch
seinen hohen Wiedererkennungswert der Dialoge, Figuren und Abläufe. Von
dem Stück existieren auch Hörspielfassungen und zahlreiche
%Uuml;bertragungen in andere deutsche Dialekte, z. B. Berlinerisch,
Hessisch, Schwäbisch und Niederdeutsch. Es zählt zu den beliebtesten
deutschen Mundartstücken. Außer für mehrere erfolgreiche Theaterstücke
ist Fitzgerald Kusz vor allem bekannt für seine mittelfränkischen
Mundartgedichte, die er teilweise in der Form von Haikus verfasst.
Franz von Kobell
war ein deutscher Mineraloge und
Schriftsteller. Nach dem Studium in München, wo er sich dem Corps
Isaria anschloss, sowie Studien in Landshut und Erlangen war er
Professor für Mineralogie an der Universität München. Das Mineral
Kobellit, ein Wismut-Antimon-Bleierz, wurde nach ihm benannt. Daneben
schrieb er Erzählungen in oberbayerischer Mundart, dichtete aber auch
im pfälzischen Dialekt seines 1779 in Mannheim geborenen Vaters.
Kobells Themen kreisen um Jagd, Liebe und Wein. Die dramatisierte
Fassung seiner Gschicht vom Brandner Kasper wurde 1871 in den
"Fliegenden Blättern" veröffentlicht und steht noch heute auf dem
Spielplan bayerischer Theater. Gemeinsam mit seinem Kollegen Carl
August von Steinheil nahm er 1839 die ersten Daguerreotypien in
Deutschland auf, indem die beiden die mit einer von Steinheil
entwickelten Kamera die Glyptothek und die Türme der Frauenkirche
fotografierten.
Karl Valentin
Als
Kabarettist und Komiker stand er dem Dadaismus, aber auch dem
Expressionismus nahe. Der Humor seiner Sketche und Stücke beruhte
insbesondere auf seiner Sprachkunst bzw. seinem "Sprach-Anarchismus";
1924 lobte ihn der Kritiker Alfred Kerr als Wortzerklauberer. Valentins
Sprachwitz zielte besonders auf ihn selbst; unterstützt wurde sein
Humor durch seine lange, hagere Gestalt, die er durch slapstickartige
Einlagen betonte. Der Pessimismus und die Tragik seiner Komik wurden
durch den ständigen Kampf mit alltäglichen Dingen wie der
Auseinandersetzung mit Behörden und Mitmenschen genährt, die er auch
selbst erlebte. Typisch dafür waren die Brandschutzauflagen für sein
Theater 1931, welches Valentin nur deshalb nach acht Wochen wieder
schloss, weil er in einem Sketch auf einem brennenden Zigarettenstummel
beharrte. Valentins wichtigste Partnerin auf der Bühne war Liesl
Karlstadt. Mit ihr gelang ihm 1911 der Durchbruch in München. Fortan
trat er mit ihr in zahlreichen Sketchen auf. Ein spezielles Faible
Valentins war seine Ausstellung Panoptikum für Gruseliges und Nonsens
z. B. ein "Hungerturm" und ein Glas Berliner Luft. Allerdings war es
unrentabel und ruinierte ihn und Liesl Karlstadt finanziell. Valentin
selbst nannte sich Humorist, Komiker und Stückeschreiber, seine
Bewunderer "den ersten deutschsprachigen Pop-Künstler des 20.
Jahrhunderts". Doch erst 55 Jahre nach seinem Tod erschien im Münchner
Label Trikont das akustische Gesamtwerk auf acht CDs, zusammen mit
einem 150-seitigen Buch mit Texten von Herbert Achternbusch bis
Christoph Schlingensief (Valentin ist für mich einer der Größten!)
Alfred Kerr schrieb über ihn: Alle lachen. Manche schreien. Woraus
besteht er? Aus drei Dingen: aus Körperspaß, aus geistigem Spaß und aus
glanzvoller Geistlosigkeit. Der Komiker Valentin ist ein bayrischer
Nestroy.
Karl Schönherr
war Arzt
und Schriftsteller. Nach humoristisch angelegten Erzählungen in der
Welt ländlicher Alltagsszenarien gelang ihm der Durchbruch als
Dramatiker. Zu seinen erfolgreichsten Stücken zählen "Glaube und
Heimat" und "Der Weibsteufel". In Innsbruck und in Axams wurden Straßen
nach ihm benannt. In der Karl-Schönherr-Straße in Innsbruck befindet
sich die Bundeshandelsakademie und Bundeshandelsschule, in Axams trägt
die Sprengelhauptschule des Westlichen Mittelgebirges den Namen
Karl-Schönherr-Hauptschule.
Johann Nepomuk Nestroy
Leben. Geboren 1801 in Wien als Sohn
einer angesehenen Bürgerfamilie - Beginn und baldiger Abbruch eines Jurastudiums - erfolgreiches Bühnendebüt im Jahr 1822 als
Opernsänger - in der Folge wendet er sich vermehrt dem Sprechtheater zu und gibt das Opernfach schließlich auf - 1823 bis 1830:
Engagements in Amsterdam, Brünn, Graz und Pressburg - 1827: Beginn der Verfassung von Theaterstücken, in denen er immer selber
die Hauptrolle verkörpert - 1831 wird Nestroy vom berüchtigten Theaterdirektor Karl Carl in Wien unter Vertrag genommen, wo er
fortan erfolgreich als Schauspieler-Dichter tätig ist - nach Carls Tod im Jahr 1854 übernimmt Nestroy, maßgeblich unterstützt
von seiner Lebensgefährtin Marie Weiler (die er immer "die Frau" nannte), die Direktion des "Carl-Theaters" - 1860 beendet er
seine Tätigkeit als Theaterdirektor und übersiedelt nach Graz, wo er im Jahr 1862 stirbt.
Wesen. Nestroy war ein Mann von scharfsinnigem, kritischem Intellekt und gleichzeitig ein unverbesserlicher Skeptiker und Pessimist ("Ich glaube von jedem Menschen das Schlechteste, selbst von mir, und ich hab' mich noch selten getäuscht"). Als Stückeschreiber geißelte er seine Mitwelt mit beißendem Spott und gnadenlosem Sarkasmus. Bis 1848 hatte er wiederholt mit der Zensur des Metternichschen Polizeistaates zu kämpfen, die er durch sein Improvisationstalent und seine Geistesgegenwart auf der Bühne immer wieder geschickt zu umgehen verstand. Der Schauspieler Nestroy wird beschrieben als "schlanker, hochgewachsener Mann, in der Haltung etwas vorgebeugt und eingeknickt, überaus beweglich, von unerreichter Wortgewandtheit, beredter Gestik, aggressiv und von großer Suggestionskraft". Wie viele "Komiker" war Nestroy privat ein eher schüchterner und verschlossener Mensch, der oft von neurotischen Zwangsvorstellungen geplagt wurde.
Werk. Nestroy schrieb in erster Linie Possen, Parodien und satirische Volksstücke, die zu seinen Lebzeiten sehr wechselndem Erfolg unterlagen: Seine wahre Bedeutung als Bühnenautor, der das Wiener Volkstheater innovativ weiterentwickelte, wurde erst später in vollem Umfang erkannt. Seine Werke handeln von den "großen" menschlichen Themen: von der Liebe, vom Geld, von den "Verhältnissen" jeglicher Art und von der Macht des Schicksals ("Reich oder arm, das Schicksal find't bei jedem das Fleckel heraus, wo er kitzlig ist"). Die Stücke zeichnen sich aus durch ihre dramaturgische Kraft und ihre sprachliche Brillanz: "Unerschöpflich ist er im Ersinnen wirksamer und witziger Bühnensituationen, sein Dialog eine Perlenkette geistvoller Pointen und Repliken, ein Ironiegefunkel, eine aus dem Wissen um die menschliche Unzulänglichkeit geborene satirische Kraft, die auch heute fasziniert und hinreißt" (Reclams Schauspielführer). Zum fixen Bestandteil der heutigen Theaterspielpläne zählen vor allem seine Meisterwerke "Der böse Geist Lumpazivagabundus", "Der Talisman", "Einen Jux will er sich machen", "Das Mädl aus der Vorstadt" sowie "Der Zerrissene", aber auch andere Stücke wie "Höllenangst", "Zu ebener Erde und erster Stock" oder "Frühere Verhältnisse" erfreuen sich großer Beliebtheit sowohl bei professionellen Theatern als auch bei Amateurgruppen. Insgesamt schrieb Nestroy 83 Stücke und verkörperte im Laufe seines Lebens als Schauspieler ca. 880 Rollen.
Carl Merz/Helmut Qualtinger
1961
trat Qualtinger in Der Herr Karl als Feinkostmagazineur auf und
schaffte damit seinen Durchbruch im deutschen Sprachraum. Der Herr Karl
arbeitet im Keller eines Lebensmittelladens und erzählt einem
imaginären Kollegen (im Film der Kamera) von seinem Leben vor, während
und nach dem Krieg. Äußerlich erscheint der Herr Karl als netter Kerl
mit liebem Blick. Doch nach und nach erfährt der Zuschauer von dem
Wendehals und Opportunisten Herrn Karl, der eigentlich ein
gefährlicher, weil unberechenbarer Mitläufer ist. Hier ist seine
Intonation bezeichnend: von einer Bewunderung der Nazis auf Wienerisch
wechselt er schlagartig in eine Art verordneten Ekel in der
Hochsprache. Wahrscheinlich haben mehrere authentische Gestalten als
Vorbilder für den Herrn Karl gedient, unter anderem ein Magazineur, mit
dem Qualtingers Kollege Nikolaus Haenel in einer Wiener
Feinkosthandlung arbeitete. Zusammen mit Carl Merz schuf Qualtinger
eine Schreckensfigur, die ihm in Österreich viele Feinde und sogar
Morddrohungen einbrachte; so offen hatte vor ihm noch niemand den
Durchschnittsbürger als Mittäter entlarvt und dargestellt. Helmut
Qualtinger galt als eher schonungsloser Kritiker des gemeinen Mannes
denn als Kritiker der Mächtigen. Dennoch wurde ihm nachgesagt, dass er
mit dem Lied "Der Papa wird's schon richten" (T.+ M.: Gerhard Bronner)
den Rücktritt des damaligen Nationalratspräsidenten Felix Hurdes
bewirkte; dessen Sohn war in einen Autounfall mit Todesfolge
verwickelt, was vertuscht werden sollte.[1] Seine Meinungen und
Kommentare schrieb er in einer bürgerlichen Zeitung, dem Kurier. Ab den
1970er Jahren verstärkte Qualtinger seine schriftstellerische Tätigkeit
und ging vermehrt auf Lesetourneen. Seine Lesungen eigener und fremder
Texte (u. a. auch Adolf Hitlers "Mein Kampf") waren so erfolgreich,
dass sie auch auf zahlreichen Sprechplatten erschienen. Neben und vor
allem nach seinen Kabarettzeiten spielte er unz�hlige Theater-, Film-
und Fernsehrollen, zuletzt den Remigio da Varagine in Der Name der Rose
nach Umberto Ecos Roman an der Seite von Sean Connery. W�hrend der
Aufnahmen zum Film "Der Name der Rose" erkrankte er schwer. In den
letzten Filmszenen musste h�ufig unterbrochen werden, da er starken
Schmerzen hatte. "Der Name der Rose" wurde sein letzter Film. Grab am
Wiener ZentralfriedhofIm Alter von 57 Jahren starb Qualtinger am 29.
September 1986 in seiner Geburtsstadt Wien an seinem Leberleiden,
welches sich vermutlich durch seinen Alkoholismus verst�rkt hatte.
Seine Grabstelle befindet sich auf dem Zentralfriedhof in Wien.
Felix Mitterer
Felix
Mitterer wurde direkt nach der Geburt von einem Landarbeiterehepaar
adoptiert. In Kitzbühel und Kirchberg ging er zur Schule, besuchte
danach die Lehrerbildungsanstalt in Innsbruck und arbeitete ab 1966
beim Innsbrucker Zollamt. 1970 wurden seine ersten Beiträge im ORF
gebracht. 1977 machte er sich als freier Autor selbständig. Neben
seiner literarischen Tätigkeit tritt er auch immer wieder, wie in
seinem ersten Theaterstück Kein Platz für Idioten, als Schauspieler
auf. Felix Mitterer arbeitet und lebt mit seiner Familie seit 1995 in
Castlelyons (Irland). Mitterer bezeichnet sich selbst als "Tiroler
Heimatdichter und Volksautor" und führt mit seinen Werken, die sich
einer mundartlichen Kunstsprache bedienen, die Tradition des
Volksstücks in Inhalt und Form fort. Dabei greift er meist
problematische und kontroverse Themen auf, wie im Stück Kein schöner
Land das Eindringen des Faschismus in die ländliche Gemeinschaft, oder
das Verhältnis von Deutschen und Österreichern am Beispiel des
Tourismus in Tirol in der Satire Die Piefke-Saga. Sie wurde vom ORF als
mehrteilige Fernsehserie ausgestrahlt und war beim Erscheinen 1991
höchst umstritten. Vor allem die Werke Die Piefke-Saga und Verkaufte
Heimat (ebenfalls vom ORF ausgestrahlt) verhalfen Felix Mitterer Ende
der 1980er Jahre zum großen Durchbruch. Seine Protagonisten sind oft
sozial isolierte Außenseiter, wie in Kein Platz für Idioten oder Die
wilde Frau.
Ferdinand Raimund
Der
Sohn des eingewanderten böhmischen Drechslermeisters Jakob Raimann kam
1804 nach dem Tod des Vaters in die Lehre zum Zuckerbäcker Ludwig
Dehne. Als "Numero" Süßwaren seines Meisters in den Pausen feilbietend
machte er die erste Bekanntschaft mit dem Theater. Er entsagte seinem
Handwerk, um Schauspieler zu werden. Ab 1808 schloss er sich als
Schauspieler herumziehenden Komödianten an und durchlief die harte
Schule der Provinz. In Meidling wurde er seines Sprachfehlers wegen
abgelehnt und in Pressburg einen Tag nach seinem Debüt gekündigt. Von
1809 an bis 1814 tourte er mit verschiedenen Schauspielgruppen durch
Westungarn. 1814 kehrte er nach Wien zurück und hatte am Theater in der
Josefstadt seine ersten Erfolge. Sein künstlerischer Durchbruch gelang
ihm 1815 mit dem Stück Die Musikanten am Hohen Markt seines späteren
Schwiegervaters Josef Alois Gleich, einem Werk des Alt-Wiener
Volkstheaters. Der Erfolg war so überwältigend, dass J. A. Gleich bis
1817 noch vier Fortsetzungen davon schrieb. Raimunds Grab in
GutensteinSeit 1817 gehörte Raimund dem Ensemble des Theaters in der
Leopoldstadt an, davon zwei Jahre, 1828 bis 1830, sogar der Direktion.
Hier spielte Raimund nicht nur, sondern er führte auch Regie. Zwischen
1820 und 1822 war er mit der Soubrette Aloisia Gleich unglücklich
verheiratet. Seit 1819 hatte Raimund auch ein Verhältnis mit Antonie
Wagner, mit der er auch bis 1829 zusammen lebte. Raimunds Liebesaffären
und seine Vorstellung von der idealen Liebe prägten ebenso in starkem
Maß die Fabeln seiner Stücke wie seine Hypochondrie und der Ehrgeiz,
eigentlich zum "Tragiker" geboren zu sein. Seit 1823 widmete er sich
auch verstärkt der Schriftstellerei. Trotz seines Zieles des tragischen
Charakterfachs erwarb er seine großen Erfolge in komischen
Charakterrollen. Trotz aller Erfolge wurde er von Depressionen
heimgesucht. 1830 versuchte sich Raimund auch an Tragödien ("Die
unheilbringende Zauberkrone oder König ohne Reich, Held ohne Mut,
Schönheit ohne Jugend") und fiel beim Publikum durch. Da auch die
Kritik kein gutes Haar an ihm ließ, verließ Raimund 1830 das Theater in
der Leopoldstadt. Er trat immer seltener auf und zog sich 1834 auf sein
Gut Pernitz (Raimundvilla) zurück. Als Raimund von einem -
fälschlicherweise von ihm für tollwütig gehaltenen - Hund gebissen
wurde, versucht er sich in der Nacht vom 29. auf 30. August 1836 zu
erschießen. Am 5. September 1836 verstarb Ferdinand Raimund in
Pottenstein. Auf dem Bergfriedhof zu Gutenstein liegt er begraben.
Raimunds Stücke sind große szenische Sinnbilder vom Glück in einer
geordneten Welt mit utopischen Ausblicken in ein höheres Reich der
Liebe und Freiheit. Raimund prägte eine für das auf die Lachfunktion
reduzierte Volkstheater andere und richtungweisende Dramatik, in der
die komischen Volksfiguren neue Rollen übernehmen. Der Einfluss seines
verfremdenden Märchentheaters als Utopie und Spiegel der Wirklichkeit
ist für die weitere Entwicklung des Volksstücks und der Dramatik im 20.
Jahrhundert unbestritten.
Jura Soyfer
Jura
Soyfer kommt am 8. Dezember 1912 in Charkow in der Ukraine als Sohn des
jüdischen Industriellen Wladimir Soyfer und dessen Frau Ljubow Soyfer
zur Welt. 1921 flüchtet die Familie vor der bolschewistischen
Revolution nach Baden bei Wien, von wo aus sie später nach Wien
übersiedelt. Er wird mit zehn Jahren im Realgymnasium Hagenmüllergasse,
Erdberg, eingeschult, wo er später auch erfolgreich maturiert. Mit 15
Jahren beginnt Jura Soyfer, sozialistische Schriften zu studieren, und
wird überzeugter Marxist. 1927 tritt er dem Verband der Sozialistischen
Mittelschüler bei. Da in der Familie Russisch, Französisch und Deutsch
gesprochen wird, entwickelt Soyfer schnell ein Gespür und eine Vorliebe
für Sprache und Sprachspiele. 1929 wird er Mitglied des Politischen
Kabarett der Sozialdemokraten. Dort sammelt er erste Erfahrungen im
szenischen Schreiben. Ab Dezember 1931 erscheinen wöchentlich
politische Satiren von Soyfer in der Arbeiter-Zeitung und in der
sozialdemokratischen Wochenschrift Der Kuckuck. Ebenfalls verfasst er
zwei Artikel für die Politische Bühne. Darin fordert er eine
Politisierung des Theaters und das Abschaffen bloßer Ablenkung und
Unterhaltung. In dieser Hinsicht ist er dem epischen Theater von
Bertolt Brecht sehr nahe. Nach den Februarkämpfen 1934 tritt er der
illegalen KPÖ bei, verfasst Flugblätter und beginnt seine Arbeit an
seinem Roman quot;So starb eine Partei". Dieser Roman, der nur in einem
Fragment erhalten ist, ist eine Abrechnung mit der Politik der
österreichischen Sozialdemokratie, deren Politik in die Niederlage des
Februar 1934 geführt hat. 1935 lernt Soyfer über Hans Weigel Leon Askin
(Leo Askenasy) kennen, der als Schauspieler und Regisseur am Wiener
Theater ABC tätig ist, wo auch die meisten von Soyfers Stücken
aufgeführt werden. 1937 wird Soyfer durch eine Verwechslung mit einem
gewissen Seidel (eigentlich Franz Marek, führender Funktionär der
Kommunistischen Partei) festgenommen. Nachdem sich herausstellt, dass
gegen Soyfer selbst mit seinen kritischen Stücken genug belastendes
Material vorlegt, wird er für drei Monate inhaftiert. Am 17. Februar
1938 wird er im Zuge einer Amnestie für "Politische" entlassen.
Lediglich 26 Tage befindet er sich daraufhin in Freiheit. Am 13. März
1938 - am Tag nach dem Anschluss - wird er in Gargellen beim Versuch,
mit Skiern in die rettende Schweiz zu kommen, von österreichischen
Beamten festgenommen. Zuerst kommt er in den Gemeindekotter in St.
Gallenkirch, nach Bludenz. Am 16. März 1938 wird er vor das
Landesgericht Feldkirch gebracht, obwohl dessen Vereidigung auf Hitler
erst am 18. März 1938 erfolgt. Am 23. Juni 1938 wird er ins KZ Dachau
transportiert, im Herbst ins KZ Buchenwald, hier stirbt er am 16.
Februar 1939 an Typhus.
Produktionen des Ensemble 89 Hittisau
| Stück | Autor | Jahr | Aufführungsort |
| Unkrut | Fitzgerald Kusz | 1989 | Ritter-von-Bergmann Saal |
| Brandner's Kaschpa und 's ewig Leaba | Franz von Kobell | 1990 | Ritter-von-Bergmann Saal |
| Kein Platz für Idioten | Felix Mitterer | 1992 | Ritter-von-Bergmann Saal |
| Mag net. Ich möcht' in München sterben | Karl Valentin Collage | 1993 | Ritter-von-Bergmann Saal |
| Erde | Karl Schönherr | 1994 | Ritter-von-Bergmann Saal |
| 3 Künstlerleben aus dem Bregenzerwald | Szenische Collage zur Ausstellungseröffnung | 1995 | Ritter-von-Bergmann Saal |
| Frühere Verhältnisse | Johann Nestroy | 1996 | Ritter-von-Bergmann Saal |
| Der Herr Karl | Carl Merz/Helmut Qualtinger | 1997 | Keller ehem. Mäser-Fabrik |
| Besuchszeit | Felix Mitterer | 1999 | Dachboden Pflegeheim Hittisau |
| Der Alpenkönig und der Menschenfeind | Ferdinand Raimund | 2003 | Ritter-von-Bergmann Saal |
| Der Weltuntergang | Jura Soyfer | 2005 | Ritter-von-Bergmann Saal |
| Der Zerrissene | Johann Nestroy | 2008 | Ritter-von-Bergmann Saal |
